Berlin: Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck erneut zu Haftstrafe verurteilt – Ein Kommentar

„Wir können nur hoffen, dass möglichst bald alle Urteile rechtskräftig werden und Frau Haverbeck wieder für sehr lange Zeit ins Gefängnis wandert. Ihre Behauptungen sind an moralischer Verwahrlosung kaum zu überbieten. Die vielen wahnhaften Lügen sind unerträglich und leider Öl im Feuer der rechtsradikalen Verschwörungstheoretiker, weshalb strenge Urteile wichtig sind, um ein klares Zeichen gegen Geschichtsrevisionismus und Holocaustverharmlosung zu setzen.“

Die „Grand Dame“ der rechtsradikalen Szene, Ursula Haverbeck, wurde in Berlin erneut zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt. Sie war gerade einen Monat aus dem Vollzug in Bielefeld entlassen und schon wieder wurde sie wegen Volksverhetzung verurteilt.

Ganz am Ende des Prozesses gegen Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck zitiert der Richter im Amtsgericht Berlin-Tiergarten Oskar Gröning – jenen früheren SS-Mann, der 2015 im Alter von 94 Jahren wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilt wurde. In dem Prozess vor dem Landgericht Lüneburg berichteten Überlebende des Holocaust von dem Grauen in Auschwitz. Auch Gröning sprach von den Gaskammern, von den Schreien und von einem SS-Mann, der ein Baby mit voller Wucht gegen einen Lkw schleuderte.

Ursula Haverbeck saß 2015 im Prozess gegen Gröning unter den Zuschauern. An ihrer Propaganda hat das nichts geändert. Nach wie vor stellt die 92-Jährige den millionenfachen Mord an Jüdinnen und Juden infrage. Von Reportern des NDR wurde Gröning damals am Rande des Prozesses gefragt, was er Holocaustleugnerinnen und -leugnern mit auf den Weg gebe. Grönings Antwort: »Die sind unrettbar verloren.« Es ist dieser Satz, den der Richter nun in Berlin zitiert. 

»Unrettbar verloren« sei wohl auch Ursula Haverbeck.

Quelle, Spiegel Panorama: https://www.spiegel.de/panorama/justiz/ursula-haverbeck-so-begruendet-der-richter-das-urteil-gegen-die-holocaustleugnerin-a-d0947de7-972e-4bca-900c-c0081909cd12

Ursula Haverbeck hatte im März 2018 in einem Youtube-Video des Rechtsextremisten und ehemaligen Lehrers Nikolai Nehrling, der sich selbst „Volkslehrer“ nennt, den Holocaust erneut geleugnet. Sie ist der Überzeugung, dass Ausschwitz kein Vernichtungs- sondern ein Arbeitslager war. Außerdem sagt sie gerne, dass der Holocaust die „größte und nachhaltigste Lüge in der Geschichte der Menschheit sei“.

(…) Immer wieder behauptete sie, dass Auschwitz kein Vernichtungslager gewesen sei. Massenmord habe es dort nicht gegeben. 2004 erhielt sie wegen Volksverhetzung eine Geldstrafe. Es folgten Strafen auf Bewährung, in den letzten Jahren dann Gefängnisstrafen. Erst Anfang November war sie nach Verbüßung von insgesamt zweieinhalb Jahren auf freien Fuß gekommen. (…)

(…) Die notorische Volksverhetzerin wird vermutlich Rechtsmittel einlegen. Zwei weitere Verurteilungen wegen Volksverhetzung – einmal zehn Monate, die sie in Hamburg bekam und einmal sechs Monate Gefängnis, die sie vor drei Jahren in Berlin erhielt – sind ebenfalls noch nicht rechtskräftig.

Quelle, Tagesspiegel: https://www.tagesspiegel.de/berlin/rechtsextremistin-ursula-haverbeck-92-jaehrige-holocaust-leugnerin-in-berlin-erneut-zu-haft-verurteilt/26688594.html

Wir können nur hoffen, dass möglichst bald alle Urteile rechtskräftig werden und Frau Haverbeck wieder für sehr lange Zeit ins Gefängnis wandert. Ihre Behauptungen sind an moralischer Verwahrlosung kaum zu überbieten. Die vielen wahnhaften Lügen sind unerträglich und leider Öl im Feuer der rechtsradikalen Verschwörungstheoretiker, weshalb strenge Urteile wichtig sind, um ein klares Zeichen gegen Geschichtsrevisionismus und Holocaustleugnung zu setzen. Nikolai Nerling nannte Frau Haverbeck nicht umsonst die „Grand Damé der Wahrheitsbewegung“ und interviewte sie voller Ehrfurcht. Auch der rechtsradikale, antisemitische Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann berichtete auf seinem Telegram-Kanal prompt über die neue Verurteilung von Haverbeck. Der „Volkslehrer“ war natürlich direkt vor Ort, um das Urteil seiner Heldin live zu erleben.

Es ist doch immer wieder aufs Neue erschütternd, wie Geschichtsvergessen manche Teile der Bevölkerung sind. In der heutigen, politisch unruhigen Zeit, fallen diese ganzen rechtsradikalen Verschwörungstheorien immer öfter auf fruchtbaren Boden. Der weltweite Rechtsruck ist deutlich zu spüren. Nationalisten, Patrioten, Rassisten und Faschisten blühen in vielen Ländern dieser Welt auf. Die Corona-Pandemie hat viele Existenzen bedroht und zerstört, was dazu führt, dass Menschen Sündenböcke brauchen und suchen, um sich ihre eigene Lage zu erklären und ihre Wut zu kanalisieren. Da kommen die alten antisemitischen Verschwörungstheorien wie gerufen und Menschen wie Frau Haverbeck werden förmlich verehrt.

Hoffen wir, dass jedes Urteil rechtskräftig wird, damit Frau Haverbeck genügend Zeit hat sich mit Geschichtsbüchern und Zeitzeugenberichten auseinanderzusetzen.

Schalom,
Schlomo Goldbaum

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