Unfassbar inhumane Aussagen von Innenminister Seehofer: Deutschland nimmt nur 150 Flüchtlinge auf – Ein Kommentar

„Wir sind in einer Welt angekommen, in denen Menschen nur noch als Ballast wahrgenommen werden, außer sie sind vermögend.“

Nach den verheerenden Bränden im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, sind über 13.000 Menschen obdachlos geworden. Darunter sind unzählige Frauen und Kinder, teilweise allein, ohne ihre Familie. Die Zustände in diesem Lager waren schon vor den Bränden sehr schlecht. Seit vier Jahren müssen die Menschen in diesem Lager in Zelten leben, dicht an dicht, mit schlechten, improvisierten sanitären Anlagen und mangelnder medizinischer Versorgung. Seit 2016 werden Flüchtlinge in dieses Lager gesperrt und völlig inhuman behandelt. Für jedes Recht mussten die Lagerbewohner bis jetzt kämpfen. Immer wieder mussten sie mit Revolten, Protesten und Aufständen auf sich aufmerksam machen, in der Hoffnung Europa würde sich der humanitären Katastrophe annehmen. Teilweise lebten in Moria knapp 20.000 Menschen unter völlig inhumanen Bedingungen, ohne Aussicht auf eine positive Zukunft. Eigentlich sollte dieses Lager nur als bürokratisches Auffanglager dienen, um die Asylanträge und andere Papiere zu bearbeiten. Aber selbst dafür mussten die Lagerbewohner demonstrieren gehen. Alle Proteste der völlig machtlosen Flüchtlinge wurden mit roher Polizeigewalt niedergeschlagen. Es starben unzählige Menschen im Rahmen dieser unhaltbaren, unmenschlichen Missstände in Moria.

Im Januar 2020 waren es bereits 19.000. Am 3. Februar 2020 marschierten etwa 2000 Flüchtlinge zum Hafen der Inselhauptstadt Mytilini, forderten die Bearbeitung ihrer Asylanträge und protestierten gegen die Lebensbedingungen im überfüllten Lager. Die Polizei blockierte die Straßen und setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. – Wikipedia.org

Wer gegen hilflose Menschen, die um die Bearbeitung ihrer Anträge bitten, Tränengas einsetzt, sollte dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Meiner Auffassung nach, ist das ein menschenverachtendes Verbrechen, welches bedingungslos bestraft gehört. Unabhängig davon, sind die Zustände aktuell nach den Bränden katastrophal. Hierzu ein kleines Video von den Kollegen des Spiegels, welches gut aufzeigt, wie unmenschlich man mit den Flüchtlingen in Griechenland umgeht.

Quelle: Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=rsCfZEN7VEk

Allein der Umstand, dass es zur Zeit Verhandlungen darüber gibt, wie viele Flüchtlinge in welches Land kommen, beweist mal wieder, wie wenig die Staaten in Europa am Wohlergehen von Menschen interessiert sind. Es ist unfassbar, dass sich unser Innenminister Horst Seehofer dazu durchringt bis zu 150 minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen und dabei so tut, als wäre das völlig normales, humanes vorgehen. Dabei ist das so ziemlich das Schlechteste was ein Land anbieten kann, hinsichtlich der aktuellen Lage in Moria.

Innenminister Horst Seehofer hatte nach dem Brand in Moria angekündigt, bis zu 150 Minderjährige in Deutschland aufzunehmen. – Welt.de

Quelle: Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=61cHhEfdH5M

Wie kann es sein, dass die Aufnahme von nur knapp 20.000 Menschen ein so großes Problem darstellt? In Europa liegen die reichsten Länder der Welt, in denen Menschen in totaler, dekadenter Verschwendung vor sich hin konsumieren, ohne sich ihrer extremen Privilegien bewusst zu sein. Wir sind in einer Welt angekommen, in denen Menschen nur noch als Ballast wahrgenommen werden, außer sie sind vermögend. Das merken nicht nur Flüchtlinge auf der ganzen Welt, sondern auch kranke und schwache Menschen innerhalb der turbokapitalistischen, westlichen Industriestaaten, die unter dem Druck der asozialen, sozialdarwinistischen Leistungsgesellschaft zusammenbrechen.

Der Kapitalismus hat das Mitgefühl und die Nächstenliebe in großen Teilen der europäischen Bevölkerung ausgelöscht. Die Schaltzentralen der Macht in Europa sind zum größten Teil besetzt mit konservativen, neoliberalen, herzlosen Egozentrikern die alle das gleiche Ziel verfolgen: Wachstum. Rendite um jeden Preis – das ist der typische Turbokapitalismus, der Menschen so abhängig von Geld macht, dass es ohne Geld auch keinen Menschen mehr gibt. Unser Innenminister Horst Seehofer hat mit seinen Aussagen bewiesen, dass Deutschland nicht an den Schicksalen der Flüchtlinge interessiert ist. Das ist ein Deutschland von dem ich kein Teil sein möchte und es doch zwangsläufig bin. Menschen wie Horst Seehofer sind die größten Hindernisse auf dem Weg in eine humane, soziale und pluralistische Gesellschaft. Die wirklich wichtigen und dringend nötigen Entwicklungen, von denen die nachkommenden Generationen extrem profitieren könnten, werden von unseren ewiggestrigen, turbokapitalistischen Konservativen einfach nicht angegangen.

Jedes europäische Land, welches nicht ohne zu zögern jeden einzelnen Flüchtling aufnehmen wollte, hat sich damit selbst absolute Unmenschlichkeit attestiert. Ich schäme zutiefst für diese absurden Missstände und bete jede Nacht darum, dass ein Wunder geschieht. Als in Frankreich Notre Dame brannte, gab es sofort viele Spenden in Millionen Höhe, aber wenn es um Flüchtlinge geht, sieht jeder nur die Kosten und nicht die Menschen.

Fazit: Horst Seehofer sollte für dieses inhumane Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden und sofort zurücktreten. Vielleicht hat der Herr Seehofer ja Lust in Lumpen, ohne Essen und sanitäre Anlagen, ein paar Wochen auf der Straße zu leben. Mich ekelt diese inhumane Ignoranz unserer Politiker extrem stark. Es wird mir immer wieder aufs Neue bewusst, wie blind überprivilegierte Menschen eigentlich sind. Der Kapitalismus hat die Empathie in uns Menschen immer mehr verdrängt und durch Egoismus ersetzt. Das hat sich immer mehr zugespitzt, bis heute wie man leider feststellen muss. Ganz Europa und besonders Deutschland mit Horst Seehofer zeigen sich von ihrer absolut schlechtesten und unmenschlichsten Seite. Wenn wir nicht bald auf der gesamten Welt diesen kapitalistischen, faschistoiden Rechtsruck in den Griff bekommen, fahren wir die Welt an die Wand. Denn nicht nur die Menschlichkeit und Empathie fehlt heutzutage in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen, sondern auch gesunder Menschenverstand und Intellekt. Hinsichtlich des Klimawandels, der sozialen Missstände und der anstehenden technologischen Revolution muss noch jede Menge angepasst und verändert werden, um am Ende eine Gesellschaft zu kreieren, in der sich jeder Mensch frei von Existenzängsten seinen Interessen und Talenten widmen kann.

Ich werde für die betroffenen Menschen beten. Ich werde auch dafür beten, dass sich unsere Gesellschaft urplötzlich verändert und endlich sozial und menschlich agiert.

Schalom,
Schlomo Goldbaum

Unfassbar inhumane Aussagen von Innenminister Seehofer: Deutschland nimmt nur 150 Flüchtlinge auf – Ein Kommentar

Lisa Eckhart: Schlechtes, antisemitisches Kabarett – Ein Kommentar

„Frau Eckhart ist halt einfach eine schlechte Kabarettistin mit schlechter Selbstwahrnehmung, die es anscheinend nötig hat immer wieder aufs Neue plumpe, politisch inkorrekte Gags zu bringen, um ihr Publikum bei Laune zu halten.“

Das Harbourfront Literatur Festival in Hamburg hat die Kabarettistin Lisa Eckhart aus Sicherheitsgründen wieder ausgeladen. Nach Angaben der Veranstalter gab es zu viele Beschwerden und Drohungen aus der „autonomen Szene“. Die Sicherheit der Künstler könnte man so nicht mehr gewährleisten, denn Polizeischutz käme nicht in Frage.

Der “Nochtspeicher” hatte abgesagt, weil er die Sicherheit von Künstlerin und Publikum angesichts von Drohungen aus der autonomen Szene nicht gewährleisten könne. “Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind”, zitierte der “Spiegel” aus einer Mail des “Nochtspeichers”. Im “bekanntlich höchst linken Viertel” werde eine solche Veranstaltung nicht geduldet, auch an Polizeischutz sei nicht zu denken, weil “die Situation dann sogar noch eskalieren und gar zu Straßenscharmützeln führen” könne. – rnd.de

Lisa Eckhart ist eine österreichische Kabarettistin, die immer wieder durch rassistische, antisemitische, homophobe und sexistische Aussagen negativ auffällt. Sie fällt selbstverständlich nicht bei jedem negativ auf. Es gibt Leute, wie zum Beispiel Dieter Nuhr, oder Gerhard Haase-Hindenberg von der jüdischen Allgemeinen, die Lisa Eckhart verteidigen und nicht verstehen können, dass es so viel negative Kritik gibt. Ich mochte Dieter Nuhr noch nie, und mag ihn jetzt noch weniger. Der liebe Gerhard Haase-Hindenberg von der jüdischen Allgemeinen betrachtet die Kunst von Lisa Eckhart meiner Ansicht nach auf eine ziemlich eindimensionale Art und Weise.

Seit einiger Zeit flattert nun eine extrovertierte Österreicherin, mal im körperbetonten Luxusoutfit, mal halbnackt über Bühnen und Bildschirme, gestikuliert mit dünnen Händen, auf denen bunte Fingernägel kleben, die wie die Krallen eines Raubtieres wirken, und spricht dabei höchst artifiziell solch verschachtelte Sätze wie diesen hier. Political correctness scheint ihr bestenfalls als Begriff bekannt zu sein, und ein definiertes Zielpublikum scheint für sie nicht zu existierten. Das allein ruft schon Gegner auf den Plan. Eine Facebook-Userin findet Lisa Eckhart – so heißt die so umstrittene wie streitbare Kabarettistin – »widerlich und unerträglich blasiert«. Eine andere vermag in ihr einfach nur eine »dämliche Ziege« zu sehen.

Solch subjektive Empfindungen zu artikulieren, ist deren gutes Recht. Lisa Eckharts Zuschauer in den ausverkauften Sälen, in denen sie bis zum Ausbruch der Corona-Krise auftrat, sahen und sehen das naturgemäß anders, und ich gestehe, einer von denen zu sein. Am 24. Januar habe ich im »Tipi am Kanzleramt« eine Künstlerin erlebt, die im bewundernswerten Rollenspiel als Femme fatale ein Feuerwerk an blitzgescheiten Assoziationen über die Rampe schickte, gesellschaftliche Vorurteile allein dadurch entlarvte, dass sie sie überspitzte. – Jüdische Allgemeine, Gerhard Haase-Hindenberg

Erst einmal muss ich gestehen, dass auch ich in Lisa Eckhart keine talentierte Schauspielerin sehe. Bei allem was sie auf der Bühne macht wirkt sie zu bemüht. Sie will eine Kunstfigur sein, die sie nicht sein kann. Ihre extreme Affektiertheit mündet in äußerst übertriebener Gestik die sie mit seltsam tiefer, androgyner Stimme, in seltsamer Intonation, untermalt. Ich würde nicht so weit gehen und sie „widerlich und unerträglich blasiert“ nennen, aber ich finde es wirklich unangenehm ihr beim Spielen zu zusehen. Unabhängig von ihrem Auftreten finde ich sie auch inhaltlich, an meinem kabarettistischen Maßstab gemessen, nicht gut. Frau Eckhart bedient immer wieder stark antisemitische, rassistische, homophobe und sexistische Klischees um zu polarisieren. Abgesehen von diesen unnötigen, politisch inkorrekten Spitzen gegen Juden, Schwarze oder Frauen, passiert meist nicht viel. Ich kann das Harbour Literatur Festival sowieso nicht verstehen. Es gäbe so viele gute Alternativen in Deutschland die man hätte einladen können. Die wären erstmal spielerisch und inhaltlich besser und dazu auch noch frei von Antisemitismus.

Frau Eckhart ist halt einfach eine schlechte Kabarettistin mit schlechter Selbstwahrnehmung, die es anscheinend nötig hat immer wieder aufs Neue plumpe, politisch inkorrekte Gags zu bringen, um ihr Publikum bei Laune zu halten. Ihre Auftritte sind wohl gut besucht. Das Publikum lacht laut und klatscht laut und das bei jeder „Pointe“, egal wie diese zustande gekommen ist. Es wäre gewagt zu behaupten, dass Frau Eckhart vielleicht bewusst im rechten Lager fischt, ähnlich wie der total empörte Dieter Nuhr.

Die Gags die sie erzählt wurden schon tausend mal besser erzählt, von Menschen, die sie auch wirklich erzählen können. Ich denke da an Woody Allen, Shahak Shapira oder Serdar Somuncu, die in ihrem Leben alle antisemitische bzw. rassistische Diskriminierung erleben mussten. Diese Menschen haben das, worüber sie Witze machen, am eigenen Leibe erfahren. Humor ist ihre Strategie mit diesem persönlichen Thema umzugehen. Dadurch ist die moralische Bewertung der politisch inkorrekten Grenzüberschreitung eine völlig andere. Einem Künstler der unter etwas leidet, was eigentlich nicht tolerierbar ist, sei verziehen, wenn er durch etwas nicht tolerierbares darauf aufmerksam macht. Abgesehen davon, hat Lisa Eckhart in ihrer Karriere wahrscheinlich mehr antisemitische Witze erzählt, als Shahak Shapira und Serdar Somuncu zusammen. Und eben da liegt der Hase im Pfeffer.

Hierzu fällt mir ein Zitat von Dr. Gregory House ein: „Maßhalten ist der Schlüssel, außer es schmerzt.“ Damit will ich sagen, dass selbst jüdische Künstler antisemitische Einflüsse sehr bedacht und vor allem an der richtigen Stelle einsetzen. Lisa Eckhart nennt zum Beispiel Schwarze einen ganzen Auftritt lang „Neger“. Das ist wohl ihre Vorstellung von guter, kritischer Satire. Bei Bild-Lesern funktioniert das vielleicht. Stumpfe dauerhafte Geschmacklosigkeiten reichen eben wirklich für manche Leute. Mario Barth hat’s bewiesen. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Lisa Eckhart ist der Mario Barth des Kabaretts.

Außerdem sind Dinge die man sagt und tut schöpferisch, weshalb ich Satire, Kabarett und Kunst generell schlecht finde, die inhumane Inhalte zum falschen Zweck missbraucht. Dieser ganze antisemitische, rassistische und sexistische Mist füttert leider auch immer die falschen Mäuler mit. Allein deshalb ist es immer wichtig, wer die Botschaften sendet und wer sie empfängt. Es gibt eine Menge Leute die sich in ihrer antisemitischen Haltung bestärkt fühlen, wenn sie in einer Show von Lisa Eckhart waren. Mögliche Gedanken nach einer Vorstellung:

„War ja klar, alles Juden die Kinderschänder in Hollywood. Echt heftig, da hat Sie recht, sollte man mal drüber nachdenken. Und sowieso werden immer die Juden so in Schutz genommen. Sie hat so recht.“

Genau solche Dinge passieren eben und das sollte auch Frau Eckhart wissen. Gerade in Zeiten, in denen Menschen zusammen auf die Straße gehen und gegen eine „Zionistisch-Kommunistische-Corona-Diktatur“ demonstrieren. Antisemitische Verschwörungstheorien gedeihen zur Zeit wie Unkraut an jeder Ecke. Auch aus diesem Grund, weil Lisa Eckhart Antisemitismus mit solchen Auftritten fördert, lehne ich ihre Kunst ab und finde es richtig, das der WDR gehandelt hat und ich finde es auch richtig, dass es so viele Beschwerden gab gegen ihren Auftritt in Hamburg. Wirklich bedauerlich ist, dass die Veranstalter Frau Eckhart generell sogar unterstützt hätten und sie jetzt nur ausladen, weil sie ihre Sicherheit nicht gewährleisten könnten. Vielleicht sollten die mal darüber nachdenken, wieso so viele Menschen ein Problem damit haben dass diese Dame da auftritt.

Ich möchte aber betonen, dass ich nicht sage, dass Frau Eckhart eine Antisemitin ist, denn das kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich ist sie einfach nur auf Aufmerksamkeit aus. Ich kann nur beurteilen, dass ihre Kunst meiner Ansicht nach nicht gut ist und zusätzlich leider böse Geister weckt und füttert. Nochmal betonen will ich auch, dass mir die Kunstfreiheit sehr am Herzen liegt. Deshalb haben wir alle zum Glück auch die Freiheit einfach andere Kunst zu genießen und zu fördern. Zum Abschluss möchte ich euch den besten Kabarettisten Deutschlands ans Herz legen. Volker Pispers ist die absolute Oberklasse was Kabarett angeht. Ladet doch lieber ihn ein, statt Frau Eckhart. Volker Pispers hat einen super scharfen, ausgewogenen Blick auf die Welt und zieht seine Zuschauer mit wunderschönen Gegenüberstellungen und Gedankenexperimenten in seinen Bann. Er ist ein Menschenfänger mit einer wunderbaren, eloquenten Sprache. Falls ihr wollte, könnt ihr hier direkt einen Auftritt von ihm genießen.

Am Ende kann ich nur hoffen, dass sich Frau Eckhart inhaltlich um 180° dreht, dann kann ich mir vielleicht nochmal vorstellen meine Meinung über sie zu überdenken. Wenngleich ich nicht glaube, dass ich ihre affektierte Art zu spielen jemals mögen werde.

Schalom,
Schlomo Goldbaum

Lisa Eckhart: Schlechtes, antisemitisches Kabarett – Ein Kommentar

AFD: Parteiverbot? – Ein Kommentar

„Ein weiteres Erstarken der Rechten lässt sich nur verhindern, wenn innerhalb der Regierung, aber auch innerhalb der Bevölkerung ein Paradigmenwechsel statt findet, hin zu einer sozial gerechten Gesellschaft, in der nicht mehr wirtschaftliche Zukunftsängste im Vordergrund stehen.“

In den letzten Wochen und Monaten wurde der Ruf nach einem Parteiverbot für die völkisch-nationale Partei AfD immer lauter. Verständlich, wenn man bedenkt, wes Geistes Kind diese Partei ist und im Hinblick auf vergangene Ereignisse wie den NSU Komplex, den Mord an Walter Lübcke, das Attentat von Halle, den jüngsten Terroranschlag auf eine Shisha-Bar in Hanau und vieles mehr. Wer wünscht sich nicht ein schnelles Ende dieser Partei. Parteiverbot – Partei weg – alles gut. Ist das wirklich so? Haben wir dann Ruhe, ist die Ordnung im Lande dann wieder hergestellt?

Ich will hier jetzt gar nicht darauf eingehen, wie die Partei und ihre Mitglieder, sowie ihre Anhänger auf ein derartiges Verbot reagieren würden. Das können wir uns alle lebhaft vorstellen und darum geht es hier auch nicht. Es geht vielmehr darum, inwiefern ein Verbot das Problem rechter Ideologie beeinflussen würde. Kann man eine Ideologie durch das Verbot einer Partei einfach so auslöschen, aus den Köpfen entfernen? Die Antwort ist: Nein.

Eine Ideologie ist eine Weltanschauung die von Wissen, Überlieferungen, Erfahrungen, Vorstellungen und Sichtweisen, sowie persönlichen Gefühlen und der Rolle des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft und auch der Frage nach dem Sinn des Lebens, beeinflusst wird. So etwas kann man nicht einfach verbieten. Das ist eine Bewusstseinsfrage, denn wenn sich das Bewusstsein der Betroffenen nicht verändert, werden diese Leute Mittel und Wege finden, sich neu zu sortieren und neu zu organisieren. Ich will das hier mal an einem Parteiverbot aus der Vergangenheit der BRD veranschaulichen.

Im Jahre 1979 wurde die FAP (Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei) von Martin Pape, einem ehemaligen HJ-Führer gegründet. Anfangs war diese Partei eher unbedeutend und unbekannt. Mitte der 80er Jahre traten militante Neonazis der Partei bei. Sie folgten einem Aufruf Michael Kühnens, der vorher Anführer der verbotenen „Aktionsfront Nationale Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA)“ war und der damit die FAP zu einem Sammelbecken für den äußersten rechten Rand machte. Die FAP richtete sich parteipolitisch selbstverständlich im Stile der NSDAP ein. Aufmachung, Logo und Politik glichen der ehemaligen Partei von Adolf Hitler in jeglicher Hinsicht. So forderte diese Partei die Rückkehr zu den Grenzen von 1939, Ausländerrückführungen und einen deutschen Sozialismus. Man huldigte Hitler auf Parteitagen und sang stolz die komplette Nationalhymne.

Anfang der 80er Jahre lernte ich einen jungen Mann aus diesem Umfeld kennen, der uns bat, ihm Unterschlupf zu gewähren, weil er aus dieser Szene aussteigen wollte. Es war beispielsweise nicht unüblich in seinem Umfeld, in voller SS Montur in aller Öffentlichkeit aufzutreten – SS-Uniform, Reitstiefel, Stahlhelm mit SS-Runen, sowie SS-Runen auf dem Tank des Motorrads. So gekleidet begegneten wir ihm das erste mal. Er trat immer in Begleitung seines besten Freundes auf, den er seit Kindertagen kannte und durch den er in die rechte Szene geraten war. Dieser Freund war sowohl in der Neonazi-Szene, als auch bei der Antifa, die Steckbriefe mit seinem Konterfei verteilte, gut bekannt. Er war Nazi in der 3. Generation. Es war also nicht ganz ungefährlich für ihn aus der Szene auszusteigen. Er wurde von der Antifa gesucht und selbstverständlich auch von seinen alten Nazikameraden. Durch ihn erhielten wir interessante Einblicke, wenn auch nur bruchstückhaft, in die militante, organisierte, rechte Szene. In seinem Umfeld gab es einige, die wie sein bester Freund, schon in der 3. Generation Nazis waren, also diese Ideologie schon im frühen Kindesalter eisern verinnerlicht hatten. So war unser Freund beispielsweise bei der 1994 verbotenen Wiking-Jugend, nahm an zahlreichen Ferienlagern teil und hatte zu Kindern und Jugendlichen aus anderen Bevölkerungsgruppen, außer in der Schule, keinen Kontakt. Von ihm hatten wir die Information, dass ein Parteiverbot zwar sehr ärgerlich für die Gruppierungen war, sie aber in keinster Weise davon abhielt, weiter zu machen.

„Die suchen sich dann einen anderen Namen, formulieren um und dann geht alles von vorn los.“

Zurück zur FAP und ihren Hinterlassenschaften.

FAP Mitglieder traten offen gewalttätig auf. FAP Mitglieder waren 1992 am Pogrom in Rostock-Lichtenhagen beteiligt. Zwei FAP-Skinheads töteten in der Silvester Nacht 1990/91 den Wehrdienstleistenden Alexander Selchow (21). Die Partei wurde dann 1995 vom Innenministerium mit der Begründung, sie würde „NS Riten“ pflegen, verboten. Unter anderem fand man bei Hausdurchsuchungen Waffen und Handgranaten. Viele Mitglieder der FAP beteiligten sich nach dem Verbot an dem Aufbau „Freier Kameradschaften“. Diese Kameradschaften dienten der bundesweiten Vernetzung rechtsradikaler Menschen. Später widmeten sich ehemalige FAP Mitglieder wieder der Arbeit in Parteien. So schlossen sie sich unter anderem der Partei „Die Rechte“, „Der Dritte Weg“ und auch der NPD an. Es gibt aber auch Verbindungen zur AfD und Bernd Höcke.

„SS-Siggi“ Siegfried Borchardt: Er gründete die rechtsextreme Hooligangruppe „Borussenfront“ (eine NPD nahe Schlägertruppe), war mit der oben genannten ANS/NA vernetzt, leitete ab 1984 den Landesverband NRW der FAP, wechselte dann 2012 zu „Die Rechte“, wurde in den Dortmunder Stadtrat gewählt, schied dann aber auf eigenen Antrag zwei Monate später wieder aus.

Siegried Borchardt ist mehrfach vorbestraft.

Melanie Dittmer: Verbrachte ihre Jugend im FAP Umfeld, leitete ab 1995 die „Kameradschaft Recklinghausen“, wechselte 1996 zu den Jungen Nationaldemokraten (JN), war eine der ersten Aktivistinnen der „Identitären Bewegung“, dann wurde sie 2014 in den Vorstand der rechtsextremen Partei „Pro NRW“ gewählt und organisierte zu der Zeit auch die Düsseldorfer und Bonner Pegida Ableger.

Marcus H. : Er war in den 90ern Mitglied der FAP, dann die Kameradschaft „Freier Widerstand Kassel“ pflegte unter anderem Kontakt zu Thorsten Heise und er soll dem Lübcke Mörder die Tatwaffe besorgt haben, bei einer Hausdurchsuchung  wurden bei ihm mehrere Dutzend Schusswaffen gefunden.

Frank Steffen: Wiking Jugend, dann FAP Bonn, Gewalttaten gegen Antifaschisten, 2015 versuchter Mord an der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Ralf Tegethoff: Wikingjugend, dann FAP, zentraler Ausbilder der Kameradschafts-Szene, Verbindungen zu Thorsten Heise und Thomas Wulff, mit denen er in die NPD eintrat, dort wurde er 2005 Direktkandidat für Düsseldorf, betreibt Geschichtsrevisionismus, betreibt einen Online-Shop  mit Reproduktionen von NS-Militaria und er führt die Totenehrung durch bei der jährlich statt findenden Gedenkdemonstration am ehemaligen Rheinwiesenlager in Remagen.

Thorsten Heise: 1988 Eintritt in die FAP, später Landesvorsitzender, nach dem FAP Verbot Gründung der Kameradschaft Northeim, Mitwirkung beim Aufbau eines internationalen Neonazi-Trainingscenter in Südafrika, zog 2002 nach Thüringen, auch dort Aufbau von Kameradschaften, pflegte Kontakt zu Tino Brandt vom „Thüringer Heimatschutz“, 2004 Wahl in den NPD Vorstand, seit 2008 Kontakt zu Björn Höcke.

Thomas Wulff: Hamburger Neonazi-Szene, ANS/NA, dann FAP, 2004 NPD Eintritt mit Thorsten Heise, steht für das Konzept „Volksfont von Rechts“, 2009 und 2011 Mitglied des erweiterten NPD Vorstands, 2016 Austritt aus der NPD weil sie nicht rechts genug war, mehrfach vorbestraft wegen Holocaustleugnung und Volksverhetzung.

Einige dieser Namen dürften euch geläufig sein, andere weniger. Wer noch tiefer einsteigen will, dem empfehle ich den Artikel der Belltower.News „Das Erbe der FAP“, ohne deren ausgezeichnete Recherche, dieser Artikel hier wohl nie zustande gekommen wäre. Die FAP wurde verboten, das rechte Gedankengut hingegen hat sich weiter verbreitet. Dieser Umstand zeigt uns, dass ein Verbot bestenfalls als ein Signal gewertet werden kann, dass in der BRD rechtes Gedankengut nicht erwünscht ist. Wie kann also ein weiteres Erstarken der neuen Rechten in der BRD verhindert werden?

Wenn wir ein Problem lösen wollen, genügt es nicht, die Symptome zu beseitigen. Ein Problem muss an der Wurzel, der Ursache gepackt werden. Ist die Ursache eines Problems beseitigt, verschwindet auch das Problem. Jeder, der schon mal Zahnschmerzen hatte, kann das bestätigen. Unser Problem hat vielfältige Ursachen, von daher kann es auch keine einfache Lösung geben. Zum einen haben wir eine mangelhaft bewältigte NS-Zeit und im Zuge dessen, eine mangelhafte Entnazifizierung. NS Gedankengut wurde über Generationen weiter getragen, innerhalb von Parteien (CDU, FDP, SPD und Grüne), innerhalb der Judikative und unendlich vielen Familien in diesem Land. Man kann also sagen, der Geist der NS Zeit blieb lebendig, schlummerte nach dem Krieg oder fand weniger Beachtung, weil die Menschen mit dem Wiederaufbau ihres Lebens beschäftigt waren und das Wirtschaftswunder genießen mussten.

Nach der Wende sah das schon wieder anders aus. Die neoliberale Politik der Nachwende Regierungen führte zu einer sozialen (wohl eher finanziellen) Schieflage in der BRD, hohe Arbeitslosigkeit, wenig erfolgversprechende Zukunftsaussichten, Hartz4, sich daraus ergebende fehlende Chancengleichheit, steigende Mieten, fehlende Investitionen in der Infrastruktur und seien wir mal ehrlich, keine Hoffnung auf eine baldige Verbesserung dieser Schieflage. Die Menschen, gerade in den strukturschwachen Regionen wie einige neue Bundesländer, aber auch das Ruhrgebiet, die ländlichen Gebiete von Rheinland-Pfalz usw. haben schon lange nicht mehr das Gefühl, dass sich die Politik für ihre Belange interessiert. Sie fühlen sich abgehängt. Da ist es nicht ganz unverständlich, wenn einige sich Parteien/Gruppierungen zuwenden, die A) direkt einen Schuldigen liefern können (und die historischen Ereignisse „Flüchtlingswelle“ 2015 boten da leider einen Nährboden, der den Rechten wie gerufen kam) und B) einfache Lösungen anbieten – „Wenn erst mal alle „Fremden“ weg sind, wird alles gut.“ Versteht mich bitte nicht falsch, das soll keine Entschuldigung sein, bestenfalls eine Erklärung.

Die Ursachen dürften auch an der Bundesregierung nicht spurlos vorbei gerauscht sein. Aber sie dachte nicht im Traum daran die Ursachen zu bekämpfen, vielmehr griff sie rechte Themen auf, machte sie zu ihren eigenen und verschlimmerte das Problem dadurch noch, weil nun auch noch der Vertrauensverlust der Wähler hinzu kam.

Völkisch-nationales Gedankengut verschwindet nur, wenn man ihm den Nährboden entzieht, nicht indem man es auch noch füttert. Ein weiteres Erstarken der Rechten lässt sich nur verhindern, wenn innerhalb der Regierung, aber auch innerhalb der Bevölkerung ein Paradigmenwechsel statt findet, hin zu einer sozial gerechten Gesellschaft, in der nicht mehr wirtschaftliche Zukunftsängste im Vordergrund stehen. Eine Bevölkerung ohne Angst lässt sich nicht so einfach instrumentalisieren.

Ein weiterer Punkt, der auch sehr wichtig ist, ist der Widerstand gegen Rechts aus der Bevölkerung heraus – Zivilcourage. Da ist jeder einzelne gefordert. Wir müssen wieder hin-sehen-nicht weg sehen; wir müssen unseren Mund aufmachen – nicht schweigen, denn nur durch das Schweigen der Mehrheit wurden die schon mal groß.

Organisiert euch!

Seid solidarisch!

Bringt euch irgendwie ein, schließt euch einer Partei an, einer antifaschistischen Gruppe, engagiert euch in der Flüchtlingshilfe, Nachbarschaftshilfe!

Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass jede rechte Gruppierung obsolet wird, denn die sind immer nur so stark wie die fehlende Gerechtigkeit in einem Land und die fehlende Solidarität innerhalb der Bevölkerung.

Schalom,
Hannah Kant (Gastautorin)

AFD: Parteiverbot? – Ein Kommentar

VON MENSCH. FÜR MENSCH. ÜBER MENSCH.

Mein Name ist Felix Jungbluth (Pseudonym: Schlomo Goldbaum). Ich bin der Betreiber dieses Blogs. Ich schreibe hier über aktuelles Weltgeschehen, Zeitgeist, Kunst und Kultur im Rahmen sozialistischer und humanistischer Prinzipien. Ich bin ein „linksgrünversiffter Gutmensch“, der gerne kommuniziert und konstruktiv kritisiert. So werdet ihr viele Kritiken, Essays und Kommentare zu diversen Themen finden. Gleichzeitig versuche ich mit diesem Blog ein Gegengewicht zu den enorm zahlreichen rechtspopulistischen, rechtsradikalen und verschwörungstheoretischen Internet-Blogs und Magazinen zu etablieren.

Und genau da bin ich auf eure Unterstützung angewiesen. Ich freue mich enorm über jeden, der meine Texte liest und teilt. Bei Fragen, Anmerkungen oder Kritik könnt ihr einfach eine E-Mail direkt an mich schreiben. Auf der rechten Seite im Menü habe ich in einer Blogroll alle wichtigen Blogs, Magazine und Vereine, die ich für lesenswert halte, für euch verlinkt. Auch findet ihr ganz oben im Menü das Impressum, dem ihr alle wichtigen Kontaktinformationen entnehmen könnt.

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Schalom,
Schlomo Goldbaum

VON MENSCH. FÜR MENSCH. ÜBER MENSCH.

Wer heute AfD wählt, hätte früher auch Hitler gewählt – Ein Kommentar

„Wir ziehen folgendes Fazit: Wer heute AfD wählt, hätte früher auch Hitler gewählt, dass ist inzwischen eindeutig.“

Wir wollen hier jetzt mal zwei aktuelle Aussagen von Alexander Gauland zitieren und danach ein Fazit ziehen. Die Aussagen von Herrn Gauland sind in dem angefügten Interview mit Moderator Alfred Schier für jeden nachvollziehbar.

Die Zitate:

1. „Der Verfassungsschutz ist ein Instrument der Herrschenden… um Ihre Agenda durchzusetzten…“

2. „Höcke ist die Mitte unserer Partei.“

Wir ziehen folgendes Fazit: Wer heute AfD wählt, hätte früher auch Hitler gewählt, dass ist inzwischen eindeutig. Der Rechtspopulismus wirkt und schafft es einen Teil der deutschen Bevölkerung zu betrügen. Die heutige politische Situation ist eins zu eins auf die Zeit nach der Weimarer Republik bis zur Machtergreifung Hitlers übertragbar. Das ist verängstigend und gleichzeitig unfassbar. Wir sind sprachlos.

Völkischer Nationalismus nennt sich heute „Mitte“ der Gesellschaft. Na denn, Mazel Tov!

Das Interview hier anschauen:

Schalom,
Schlomo Goldbaum

Wer heute AfD wählt, hätte früher auch Hitler gewählt – Ein Kommentar