„Seitdem ich Vater bin“ oder auch „Im Namen der Liebe“ – Essay

Eine Erzählung aus dem Leben eines jungen Vaters, der für sich völlig neue Verantwortungen entdeckt.

Seit ein paar Wochen bin ich Vater einer wunderschönen, kerngesunden Tochter namens Salomé. Ihre Mutter Elisabeth lernte ich vor 1 1/2 Jahren auf dem Tiefpunkt meines Lebens kennen. Ich traf sie auf einer Party die ebenso heruntergekommen war wie ich. Das Publikum dieser Party passte hinsichtlich meiner und ihrer Erscheinung überhaupt nicht ins Bild. Umso deutlicher wurde der Kontrast um uns herum. Das Schicksal führte uns zwei an einem völlig unwesentlichen Ort zusammen damit das wesentliche für uns deutlicher wurde. Wir konnten einander also gar nicht verpassen. Es war wirklich Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte mir eigentlich geschworen mein Herz nach meiner letzten gescheiterten Beziehung niemals mehr zu verschenken, das gestaltete sich bei dem Anblick von Elisabeth jedoch völlig anders. Glücklicherweise hatte ich zu diesem Zeitpunkt meines Lebens nichts mehr zu verlieren. Ich hatte weder Geld, noch Job und litt unter starken Schmerzen, weshalb ich auf starke Schmerzmittel angewiesen war. Das machte mich mutig und half mir dabei Elisabeth aus den Fängen ihres gewalttätigen Ex-Freundes zu befreien. Selten verlor ich in meinen Leben die Kontrolle, aber nachdem ich sah wie der besagte Ex-Freund Elisabeth ins Gesicht schlug und sie daran hindern wollte auszuziehen, überrollte ich ihn wie eine Dampfwalze. Ich weiß nicht mehr wie oft er auf mich und ich auf ihn einschlug, das war am Ende aber völlig egal, denn er sackte einfach in sich zusammen. Ich konnte meine völlig traumatisierte Geliebte an die Hand nehmen und zu mir in Sicherheit bringen.

Wir heirateten wenige Monate später. Es ging Berg auf. Wir unterstützen uns gegenseitig und sorgten dafür, dass es wieder Spaß machte morgens die Augen auf zu machen. Endlich gab es einen Menschen der mich bedingungslos liebte und respektierte so wie ich bin. Zusammen haben wir all unsere Traumata und Depressionen überwunden. Das fiel uns sehr leicht, weil wir in der Vergangenheit sehr ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das Elisabeth dann schwanger wurde war der Beweis für unsere perfekte Kompatibilität. Jetzt, 1 1/2 Jahre später, sind wir glücklicher denn je. Salomé, benannt nach Königen Salomé, entfacht in mir neues Feuer. Ein Feuer welches in mir steckt und voller Leidenschaft vor sich hin lodert. Endlich gibt es einen glasklaren Sinn in meinem Leben: Das Glück, den Frieden und die Gesundheit meiner geliebten Familie zu bewahren. Ich bin jetzt 30 Jahre lang durch ein Moor aus Tot und Trauer gewatet und war eigentlich nicht gewillt noch weiter zu gehen, bis sich auf einmal eine grüne, saftige Wiese vor mir auftat. Auf dieser Wiese schreite ich nun voller Stolz Hand in Hand mit meiner Familie und meinem Hund der Sonne entgegen. Die Sonne strahlt in meiner Vorstellung so stark wie die Zukunft eigentlich strahlen sollte. Ich kämpfe für eine schöne und blühende Zukunft. Meine Tochter soll später weiterhin auf grünen Wiesen wandeln und Blumen pflücken. Sie soll frei entscheiden was sie lernen möchte. Ihre Talente sollen sie dazu befähigen sinnvolle Dinge zur Selbstverwirklichung zu tun. Sie soll in einer Zukunft leben, in der man nicht mehr für Essen, Trinken und Schlafplatz arbeiten muss. In einer Welt in der es weder arm noch reich gibt. Alle haben die gleichen Chancen, denn das gesamte Ellenbogen Prinzip spielt keine Rolle mehr. Besitz sollte völlig entwertet werden. Besitz ist Ballast. Ich möchte ihr später voller Stolz sagen können, dass wir als Eltern alles mögliche in unserer Macht stehende getan haben um ihr ein schönes Leben zu sichern. Schon jetzt schenkt sie mir mit jedem Lächeln die Bestätigung, dass es sich zu kämpfen lohnt.

Wir müssen einfach nur an die Menschen denken die wir Lieben, um dann auf der Basis der moralischen Verantwortung dieser Menschen gegenüber zu handeln. Mit Blick auf die Liebe erscheinen viele Dinge viel leichter. Im Namen der Liebe kann man viel besser verzichten, denn man bekommt automatisch Anerkennung von seinen Mitmenschen. Und diese Anerkennung die man bekommt, wenn man jemandem hilft, ist die intensivste und schönste Form von Zufriedenheit. Der soziale Status steigt dadurch um ein vielfaches mehr, als durch eine Rolex oder einen SUV.

Es ist stark zu verzichten. Es ist stark zu lieben. Es ist stark zu schenken. Es ist stark zu helfen. Es ist stark sich zu verändern. Es ist stark Fehler einzusehen und es ist stark sich dann aktiv für Gutes einzusetzen. Eigentlich sind Menschen stark.

In diesem Sinne,
Schalom,
Schlomo Goldbaum

„Seitdem ich Vater bin“ oder auch „Im Namen der Liebe“ – Essay

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